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Junge Menschen erforschen Alltags- und Zeitgeschichte

 

Auf dem Foto die beiden Siegerinnen
Lora Barnjak und Miriam Reiss.

Zum Gedenkjahr 2005 hat der Buchklub gemeinsam mit dem Bildungsministerium den Wettbewerb "Österreich-Album 1945-1955" gestartet. Alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 19 Jahren konnten ab September 2004 bis zum Februar 2005 teilnehmen. Die SchülerInnen haben in Form von Klassenprojekten oder Einzeleinsendungen - ein Foto aus der Zeit von 1945-1955 mit einer kurzen begleitenden Geschichte - teilgenommen. Insgesamt gab es 3802 Einzeleinreichungen und 180 Klassenprojekte aus 346 verschiedenen Schulen in Österreich. Diese große Anzahl zeugt vom regen Interesse der Jugend an der Zeitgeschichte und an der historischen Vergangenheit ihrer Familien.
Ein schönes Fest im historischen Rahmen war die Siegerehrung zum Wettbewerb "Österreich-Album 1945-1955", die am 25. April im Schloss Belvedere in Wien unter Beisein von Bundesministerin Elisabeth Gehrer stattfand.
 

Auch unsere Schule hat sich in diesem Schuljahr aktiv an diesem interessanten Projekt beteiligt. Viele fleißige SchülerInnen haben sich auf historische Zeitreise begeben. Sie baten ihre Urgroßeltern, Großeltern und andere ältere Bekannte um Fotos aus der Zeit zwischen 1945 und 1955. Außerdem ließen sie sich die dazugehörigen Geschichten erzählen und hielten diese schriftlich fest. Anlässlich eines Schulfestes wurden die Fotos und die Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert (siehe Foto).
   
LORA BARNJAK (2b)  wurde Burgenlandsiegerin in der Altersklasse der 10 bis 14jährigen SchülerInnen.

"Wasser holen vom Hausbrunnen"

Meine Eltern flohen vor zwölf Jahren von Bosnien ins Burgenland. Hier wurde ich geboren. Unsere damalige Nachbarin Frau Maria Tobitsch wurde meine Taufpatin. Das Foto zeigt sie in den fünfziger Jahren beim Wasserholen.

Meine Patin erzählte mir: „Der Brunnen stand vor dem Haus und bot für drei Häuser, für Mensch und Tier das benötigte Wasser. In unserem Haus wohnten die Großeltern, meine Eltern meine Schwester und ich. Vier Kühe standen im Stall, Gänse und Hühner bevölkerten den Hof. Alle benötigten Wasser. Das Wasser vom Brunnen ins Haus zu tragen war meine Aufgabe. Für die Tiere allein musste ich täglich zwölf Kübel Wasser holen. Manchmal dauerte das Wasserholen etwas länger, weil man Nachbarn traf und plauderte. Besonders schlimm war es an einem Waschtag. Am Vorabend holte ich Wasser zum Einweichen der Wäsche. Am Morgen musste ich Wasser für den Kessel holen, in dem Wäsche gekocht wurde. Geschwemmt wurde die Wäsche direkt beim Brunnen. Im Winter war es besonders schwer, weil es kalt war und die Finger ganz steif wurden. Einmal in der Woche war Badetag. Da musste mehr Wasser ins Haus geholt werden. Das Wasser wurde am Herd gewärmt und die Familienmitglieder badeten der Reihe nach im hölzernen Waschtrog. Zuerst die Kinder, dann der Vater und zuletzt die Mutter. Ich bin froh, dass ich heute nur den Wasserhahn aufzudrehen brauche, ob kalt oder warm fließt.“
   
MIRIAM REISS, eine ehemalige Schülerin unserer Schule, gewann in der Altersgruppe der 14 bis 18jährigen.

"Mein Papa in der Zeitung"

Würde sich nicht jedes Kind wünschen, einmal in die Zeitung oder heutzutage ins Fernsehen zu kommen? Mein Vater hatte mit knapp zwei Jahren, also im Jahre 1953, das Glück. Auf diesem Foto sieht er sich gerade die Kinderzeitschrift „Wunderwelt“ an, obwohl er zu dieser Zeit natürlich noch nicht lesen konnte. In der „Wunderwelt“ wurden die Vorläufer von Comics und andere Geschichten für Kinder und Jugendliche abgedruckt. Meine Urgroßtante schickte das Bild an die „Wunderwelt“ und schrieb dazu ein Gedicht, das dort mit dem Foto veröffentlicht wurde: „Kaum zwei Jahre auf der Welt, will ich alles wissen. Lies darum die Wunderwelt, kann sie nicht mehr missen.“ Mein Vater freute sich riesig, als er sich selbst in dieser Zeitschrift sah. Heute ist er Journalist, deswegen war das zwar sein erster, aber nicht sein letzter „Auftritt“ in einer Zeitung bzw. im Fernsehen. Die Tatsache, dass er diesen Beruf ergriff, finde ich ziemlich lustig, wenn ich mir den Zeitungsausschnitt ansehe. Er hat wohl schon damals gewusst, dass er einmal etwas in diese Richtung machen würde.